{"id":156,"date":"2019-09-12T19:52:59","date_gmt":"2019-09-12T17:52:59","guid":{"rendered":"https:\/\/anwalt.net.pl\/?p=156"},"modified":"2019-10-21T22:23:28","modified_gmt":"2019-10-21T20:23:28","slug":"schmerzensgeldtabelle-polen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anwalt.net.pl\/pl\/schmerzensgeldtabelle-polen\/","title":{"rendered":"Schmerzensgeldtabelle Polen"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"240\" height=\"161\" src=\"https:\/\/anwalt.net.pl\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/5832815994_3897accb82_m.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-164\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Anwendung polnischen Rechts<\/strong><br>Kommt es zu einem Verkehrsunfall in Polen, findet gem\u00e4\u00df  Art. 1 Abs. 4 der Verordnung (EG) Nr. 864\/2007 polnisches Schadensersatzrecht Anwendung. Dies gilt auch dann, wenn der der Gesch\u00e4digten in einem anderen Land, zum Beispiel in Deutschland, lebt.<br><br><strong>Schmerzensgeld nach polnischem Recht<\/strong><br>Neben Schadensersatz kann der Gesch\u00e4digte die Zahlung eines Geldbetrags als Ausgleich f\u00fcr die erlittenen k\u00f6rperlichen und psychischen Beeintr\u00e4chtigungen verlangen (Art. 445 polnisches Zivilgesetzbuch [Kodeks Cywilny]), also Schmerzensgeld. Nach der Rechtsprechung sind \u201ebei der Beurteilung der H\u00f6he des Schmerzensgeldes im Fall der Verletzung von Leib oder Gesundheit objektive Kriterien in Gestalt der Dauer und der Intensit\u00e4t der k\u00f6rperlichen und psychischen Leiden, der Unumkehrbarkeit der Unfallfolgen (Behinderung, Entstellung), der Art der ausge\u00fcbten T\u00e4tigkeit, der Zukunftschancen, des Alters des Gesch\u00e4digten, aber auch subjektive Kriterien, wie das Gef\u00fchl der gesellschaftlichen Nutzlosigkeit, der Unbeholfenheit im Alltag u. \u00e4., zu ber\u00fccksichtigen\u201c (Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 14.01.2011, Az.: I PK 145\/10).&nbsp;<br>Zu beachten ist daneben der Lebensstandard des Gesch\u00e4digten, insbesondere auch der Lebensstandard in dem Land, in dem der Gesch\u00e4digte lebt. W\u00f6rtlich hei\u00dft es dazu im Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 29.05.2008, Az. II CSK 78\/08: \u201eDie H\u00f6he des Schmerzensgeldes muss die aktuelle Lage und den Lebensstandard der Gesellschaft, des Landes, in dem der Gesch\u00e4digte lebt, ber\u00fccksichtigen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Schmerzensgeldtabelle<\/strong><br>Speziellere Regelungen zur H\u00f6he des Schmerzensgeldes kennt das polnische Recht nicht. Es gibt auch keine von der Rechtsprechung allgemein anerkannten Schmerzensgeldtabellen. Jeder Richter entscheidet im Prinzip ausschlie\u00dflich nach eigenem Ermessen \u00fcber die H\u00f6he des Schmerzensgeldes. Das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass die Richter sich in der Praxis nicht an den Entscheidungen anderer Gerichte, insbesondere der Gerichte h\u00f6herer Instanzen, orientieren. Bei der Bemessung der H\u00f6he des Schmerzensgeldes kann der Hinweis auf fr\u00fchere gerichtliche Entscheidungen in \u00e4hnlich gelagerten F\u00e4llen also durchaus hilfreich sein. <\/p>\n\n\n\n<table id=\"tablepress-1\" class=\"tablepress tablepress-id-1\">\n<thead>\n<tr class=\"row-1\">\n\t<th class=\"column-1\">Gericht, Datum der Entscheidung, Aktenzeichen<\/th><th class=\"column-2\">Sachverhalt<\/th><th class=\"column-3\">Zugesprochenes Schmerzensgeld nach Umrechnung in EUR<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody class=\"row-striping row-hover\">\n<tr class=\"row-2\">\n\t<td class=\"column-1\">S\u0105d Apelacyjny w Warszawie, 07.11.2012, VI ACa 603\/12<\/td><td class=\"column-2\">Im Jahr 2004 wurde der Gesch\u00e4digte bei der \u00dcberquerung eines Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberwegs von einem Auto erfasst. Infolgedessen erlitt er Br\u00fcche am H\u00fcftgelenk sowie Verletzungen der Bandscheiben C5 - C7. Der Gesch\u00e4digt kann sich nur noch auf Kr\u00fccken fortbewegen, eine Besserung seines Zustandes ist unwahrscheinlich. Zum Unfallzeitpunk war er 65 Jahre alt und f\u00fchrte einen aktiven Lebensstill, bet\u00e4tigte sich insbesondere sportlich.<\/td><td class=\"column-3\">16.250 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-3\">\n\t<td class=\"column-1\">S\u0105d Okr\u0119gowy w P\u0142ocku, 19.08.2014, I C 1245\/12<\/td><td class=\"column-2\">Der Gesch\u00e4digte war als Fu\u00dfg\u00e4nger unterwegs, als er im Jahr 2001 von einem Auto erfasst wurde, \u00fcber das der Fahrer die Kontrolle verloren hatte und das deswegen von der Fahrbahn abgekommen war. Der Gesch\u00e4digte erlitt Br\u00fcche des linken Oberschenkelknochens und des Beckens, Kopfverletzungen und eine Gehirnersch\u00fctterung. Er wurde mehreren Operationen unterzogen und blieb insgesamt \u00fcber 6 Wochen in station\u00e4rer Behandlung. Bis 2006 konnte er wegen einer chronischen Entz\u00fcndung des Oberschenkelknochens nicht seiner Arbeit nachgehen. Er war vor dem Unfall als Schlosser t\u00e4tig und bei guter Gesundheit.<\/td><td class=\"column-3\">17.975 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-4\">\n\t<td class=\"column-1\">S\u0105d Okr\u0119gowy w Lublinie, 14.12.2012, I C 134\/10<\/td><td class=\"column-2\">Bei einem Verkehrsunfall im Jahr 2007 erlitt der Gesch\u00e4digte mehrere Br\u00fcche des linken Fu\u00dfes und Schienbeins sowie Verletzungen des Kopfes und der Bandscheiben in der Halswirbels\u00e4ule. Unmittelbar nach dem Unfall wurde er f\u00fcr 17 Tage station\u00e4r behandelt. Die Knochenbr\u00fcche wurden mit einem Gipsverband f\u00fcr 4 Wochen ruhig gestellt. Es kam zu einer dauerhaften Sch\u00e4digung der linken Gehirnh\u00e4lfte, die ein st\u00e4ndiges Taubheitsgef\u00fchl in der Hand sowie ein allgemeines Nachlassen der manuellen F\u00e4higkeiten nach sich zieht. Das Verhalten des Gesch\u00e4digten hat sich durch den Unfall ge\u00e4ndert, er meidet andere Menschen, ist bei Kontakten leicht reizbar. Der Gesch\u00e4digte ist auf eine Gehhilfe angewiesen. Er wird wegen der Verletzungen der Bandscheiben bis ans Lebensende Schmerzmittel einnehmen m\u00fcssen. Er wird auch nie wieder die volle Berufsf\u00e4higkeit wiedererlangen. Er ist im mittleren Alter und verheiratet, wohnt mit seiner Frau und Kindern in einem Einfamilienhaus.<\/td><td class=\"column-3\">37.500 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-5\">\n\t<td class=\"column-1\">S\u0105d Okr\u0119gowy w Lublinie, 12.06.2013, I C 274\/10<\/td><td class=\"column-2\">Die Gesch\u00e4digte sa\u00df auf dem R\u00fccksitz eines Pkw, als es zu einem frontalen Zusammensto\u00df mit einem anderen Fahrzeug kam. Sie erlitt dabei die folgenden Verletzungen: Bruch des linken Schienbeins, der H\u00fcftgelenkpfanne, umfangreiche \u00d6deme und Prellungen. Sie war insgesamt sechs Wochen in station\u00e4rer Behandlung. Erst ein Jahr nach dem Unfall konnte sich die Gesch\u00e4digte wieder ohne Gehhilfen fortbewegen. Zum Unfallzeitpunkt war sie 46 Jahre alt und arbeitete als Lehrerin. Sie kann ihren Beruf wieder aus\u00fcben. Die postoperativen Narben an den Beinen stellen f\u00fcr sie eine psychische Belastung dar.<\/td><td class=\"column-3\">37.500 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-6\">\n\t<td class=\"column-1\">S\u0105d Apelacyjny w Warszawie, 23.11.2012, VI ACa 691\/12<\/td><td class=\"column-2\">Bei einem frontalen Zusammensto\u00df mit einem anderen Fahrzeug erlitt der Gesch\u00e4digte folgende Verletzungen: mehrere Beinbr\u00fcche, Fu\u00dfverletzungen,   mehrere Rippenbr\u00fcche, Quetschungen der Lunge, Verletzungen des D\u00fcnn- und Dickdarms. Er war insgesamt 2 Monate in station\u00e4rer Behandlung und wurde mehreren Operationen unterzogen. Der Gesch\u00e4digte bleibt gehbehindert, die Bewegungsf\u00e4higkeit des Sprunggelenks und des Knies ist stark eingeschr\u00e4nkt. Zum Unfallzeitpunkt war der Gesch\u00e4digte 31 Jahre alt und als Kraftfahrer t\u00e4tig. Die ersten zwei Jahre nach dem Unfall war der Gesch\u00e4digte arbeitsunf\u00e4hig, es war fraglich, ob und wann er die Arbeitsf\u00e4higkeit wiedererlangen wird. Allt\u00e4gliche Aufgaben konnte der Gesch\u00e4digte zu diesem Zeitpunkt meist ohne fremde Hilfe erledigen.<\/td><td class=\"column-3\">62.500 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-7\">\n\t<td class=\"column-1\">S\u0105d Apelacyjny w Katowicach, 06.11.2013, I ACa 702\/13<\/td><td class=\"column-2\">Die Gesch\u00e4digte verlor ihr linkes Bein als sie aus einem Bus aussteigen wollte und der Fahrer pl\u00f6tzlich anfuhr, so dass die Gesch\u00e4digte von der Treppe fiel und mit einem Bein unter die R\u00e4der des Busses geriet. Das Bein musste auf Oberschenkelh\u00f6he amputiert werden. Die Gesch\u00e4digte war mittleren Alters und als \u00c4rztin t\u00e4tig. Sie musste die Berufsaus\u00fcbung aufgeben.<\/td><td class=\"column-3\">62.500 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-8\">\n\t<td class=\"column-1\">S\u0105d Apelacyjny w Warszawie, 27.09.2013, II Ca 251\/14<\/td><td class=\"column-2\">Die Gesch\u00e4digte war mittleren Alters und beruflich t\u00e4tig. Sie wurde von einem Pkw \u00fcberfahren und erlitte dabei die folgenden Verletzungen: Br\u00fcche beider Beine, des Beckens, aller Rippen, Quetschungen der Lunge und des Herzens. Sie war insgesamt 9 Monate in station\u00e4rer Behandlung und wurde einer Vielzahl von Operationen unterzogen. Die Gesch\u00e4digte wird nie wieder die volle Arbeitsf\u00e4higkeit wiedererlangen, sie ist in ihrer Gehf\u00e4higkeit stark eingeschr\u00e4nkt, sie bedarf Hilfe bei der Erledigung vieler allt\u00e4glicher Angelegenheiten.<\/td><td class=\"column-3\">87.500 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<!-- #tablepress-1 from cache -->\n\n\n\n<blockquote style=\"text-align:center\" class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Bildnachweis: Quelle www.flickr.com,\u00a0<\/em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/legalcode\" target=\"_blank\">Lizenz<\/a><em>,\u00a0<\/em><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Friend In Need (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/mynameisharsha\/5832815994\/in\/photolist-9TqGZ1-ficgLv-fj1Qcs-fiLD22-p2shTG-7gbifR-fiLAQP-ficg3i-ficfKT-ficfai-firwzA-bD41t2-firts5-ficfsp-27Ua5Bp-8mueKg-fices4-bsTokd-9TqHLQ-5HwRLf-bFNe8F-bFNb4Z-9KYFYi-bsTii9-bsTmF7-9TnTtH-7gffwU-bFN7Av-7gfgiw-bsTn8G-dS6BQY-TbQgPY-9KYHnK-bsTe79-UvMXM-7gfeb7-UxiHA-9KYHDV-bFNeVn-bFN6MD-6gvX45-bFNcci-bsTk9E-bsTfbb-nGWtbi-bFN81n-Uvra2-bRgG8B-UwcWX-Uxo3m\" target=\"_blank\">Friend In Need<\/a><em>, Urheber:<\/em> Harsha K R <\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anwendung polnischen RechtsKommt es zu einem Verkehrsunfall in Polen, findet gem\u00e4\u00df Art. 1 Abs. 4 der Verordnung (EG) Nr. 864\/2007 polnisches Schadensersatzrecht Anwendung. 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